Dienstag, 1. Oktober 2013

Geisterstadt

Nach einer etwas unruhigen, ziemlich schaukeligen Nacht in Porto Spilia nahmen wir am Morgen Kurs auf Port Leone auf der Insel Kalamos.

Port Leone ist eine Geisterstadt, der Ort wurde nach dem großen Erdbeben von 1953 aufgegeben. Einzig die Kirche wurde am Leben erhalten und, wie wir bei unserer Ankunft feststellen konnten, erst vor einigen Jahren komplett renoviert. Es ist ein merkwürdiger Kontrast: die hübsche Bucht, das verfallene Dorf und die kitschig angestrichene Kirche.

Auf der Fahrt dorthin konnten wir sogar Segeln, allerdings spielte zwischen Kalamos und Kastos der Wind plötzlich verrückt. Wir nahmen die Segel runter und dachten das liege an der Abdeckung durch die Inseln, doch dann brach plötzlich ein ungeheurer Wolkenbruch los. Wir düsten weiter nach Port Leone, doch die Bucht war schon ziemlich voll, die guten Ankerplätze alle weg. Wir gingen also in die Nordwest-Ecke, von der der Törnführer warnte, dass der Anker dort schlecht halte. Tatsächlich benötigten wir 4 Versuche, bis der Anker so einigermaßen hielt. Die ganze Zeit prasselte sintflutartiger Regen auf uns nieder. Als wir den Anker dann fest hatten, hörte der Regen so plötzlich auf, wie er begonnen hatte. Wir waren komplett durchnässt.


Nachdem wir die Klamotten gewechselt hatten kam dann die Sonne wieder raus und wir konnten schwimmen und die Stadt erkunden.

Eigentlich wollten wir über Nacht bleiben und für den angekündigten Nordwestwind lagen wir ganz gut. Dummerweise drehte der Wind dann in unserer Ecke auf Süd. In der restlichen Bucht kam der Wind aus Nordwest, nur in unserer Ecke aus Süd! Für Südwind lagen wir komplett falsch, insbesondere hatten wir nach Nord keinen Platz zum Schwojen. Wir trieben immer näher ans Ufer und als dann der Tiefenalarm auslöste gaben wir die Position auf.

Wir suchten eine andere Stelle, aber drei Versuche den Anker dort einzugraben schlugen fehl. Es dämmerte nun schon und wir beschlossen in den Hafen von Porto Kalamos zu "flüchten".

Als wir dort ankamen war es dunkel und der Hafen rappelvoll. Es waren wohl mehrere Flotillen da. Zahlreiche Boote lagen schon im Päckchen. Tief in den Hafen reinfahren konnten wir nicht, da wir in der Dunkelheit die Ankerketten nicht ausmachen konnten. In der Hafeneinfahrt lag aber eine Jacht, deren Breitseite sehr einladend aussah. Leider war niemand an Bord den wir um Erlaubnis fragen konnten und so legten wir uns einfach daneben. Wir hatten gerade festgemacht als George angedüst kam. George gehört die Taverne im Ort und er ist wohl so etwas wie ein inoffizieller Hafenkapitän. Er wusste aber auch keinen besseren Platz, sagte "Welcome" und lud uns in seine Taverne ein.

Kurz nach George kam dann auch die Crew des Bootes an dem wir festgemacht hatten. Ältere Briten, ziemlich betrunken, denen es völlig egal war, was wir mit ihrem Boot angestellt hatten.

Es war inzwischen halb Zehn und so endete der Tag ohne warme Mahlzeit mit belegten Broten.

 

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