Freitag, 11. Oktober 2013

Schöner Segeltag

Auch dieser Tag war wieder recht entspannt. Wir hatten auf einen Badetag gehofft, aber es war zu windig und zu wolkig. Deshalb wurde es wieder ein Segeltag.

Der Wind schwankte zwischen 4 und 6 Beaufort und so waren wir permanent mit Reff-/Ausreffmanövern beschäftigt. Reff rein, zweites Reff rein, alles raus, wieder rein, gefühlt 20 Mal.

Wir segelten zunächst bis vor die Sunsail-Basis in Vounaki, warfen einen Blick auf diesen Hort des Flotillen-Übels und rasten dann zurück nach Meganisi. Dort steckten wir die Nase in die Ormos Kapari, beschlossen aber, dass es zum Ankern und Baden zu kalt war.

Also setzten wir wieder Segel um Skorpios zu umrunden. Leider schlief westlich der Insel der Wind ein wenig ein, so dass es etwas mühsam wurde.

Nach 25 Segelmeilen und nur 2 Motormeilen machten wir dann wieder bei Odysseus fest. Dieses Mal lagen wir am Westpier, direkt vor der Marina-Kneipe. Das hatte den Vorteil, dass das Wifi funktionierte, aber den Nachteil, dass wir den ganzen Abend mit Chill-Out-Mucke beschallt wurden.

Besonderes Ereignis des Tages war der halbstündige Ausfall des Kartenplotter-GPS. Aus welchen Gründen auch immer konnte es nur noch 3 Satelliten empfangen. Da mein Hand-GPS noch funktionierte, konnten wir zumindest den Kriegsfall ausschließen.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Mal keine Herausforderungen

Auch an diesem Morgen wurden in der Cleopatra-Marina wieder Boote aus dem Wasser gehoben. Die Reihen an den Stegen lichteten sich.

Wir verließen Preveza kurz vor Zehn und nahmen Kurs nach Süden zum Nordende des Lefkas-Kanals. Der Wind wurde wieder stärker und blies schließlich mit 5-6 Windstärken. Wir kamen genau rechtzeitig zur 12:00-Uhr-Brückenöffnung und tuckerten weiter durch den Kanal nach Süden.

Der Wetterbericht hatte eigentlich Hoffnung auf einen Nachmittag in einer Badebucht auf Meganisi gemacht, aber die Realität sah anders aus. Bewölkt, windig, nur etwa 20 Grad.

Also setzten wir die Segel und kreuzten nach Süden nach Vathi auf Meganisi. Hier gönnten wir uns einen Liegeplatz in der Odysseus-Marina, eine heiße Dusche, füllten das Frischwasser auf und kauften ein. Der Marina-Mensch, der uns beim Anlegen half, sah aus wie Odysseus persönlich.

Schließlich meldete sich auch noch Maria: Wir können das Boot bis Samstag behalten und müssen nicht schon am Freitag in Lefkas sein.

Endlich mal ein Tag, an dem nichts schiefging.

 

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Gegen den Wind

Die Restnacht in Gaios war kurz und unser Schlaf recht unruhig. Leider hatte sich die Wetterprognose komplett geändert. Anstatt abzuflauen sollte der Wind um Paxos bei 5 - 6 Beaufort aus Südost bleiben und das Wetter weiter regnerisch sein. Die berühmten türkisblauen Badebuchten waren also uninteressant. Wir hatten zudem die Befürchtung, dass wenn der Wind noch stärker würde, wir nicht mehr nach Süden kommen würden. Also beschlossen wir, gleich heute wieder nach Lefkas zurückzufahren.

Das Ablegemanöver von unseren Landleinen lief perfekt, aber als wir dann den Hafen verließen, wurde uns bewußt, dass die Fahrt nach Südosten nicht so einfach werden würde, wie wir erhofft hatten. Der Wind blies nämlich mit 5-6 aus Südost und die See um Paxos entsprach der Windstärke.

Wir legten erstmal die Rettungswesten an und pickten die Lifebelts ein.

Gegen den Wind schafften wir unter Motor nur etwa 1 Knoten über Grund. Unter doppelt gerefften Segel kamen wir nicht gegen die Abdrift an. Damit würde die Fahrt nach Preveza, dem nächsten Hafen, etwa 30 Stunden dauern. Deshalb fuhren wir zunächst nach Nordosten, nach Pargas, in der Hoffnung, dass Wind und See in Küstennähe schwächer sein würden.

Das waren sie dann auch, aber mehr als 3 Knoten über Grund erzielten wir im Schnitt nicht. Uns war schnell klar, dass wir damit bei Tage weder in Preveza noch in Lefkas ankommen würden. Da die Einfahrt zum Lefkas-Kanal im Norden nicht beleuchtet ist, schied Lefkas als Ziel aus und wir fuhren nach Preveza und besuchten zum dritten Mal die Cleopatra-Marina.

Dort machten wir gegen 21:30 Uhr fest, nach 13 Stunden Fahrt. Die Logge zeigte 49 Seemeilen durchs Wasser, das GPS hatte 40 Seemeilen über Grund gemessen. Wir hatten also einiges durch den Gegenstrom verloren.

Nach Sonnenuntergang war die Fahrt noch ganz angenehm geworden: der Wind hatte nachgelassen, die Wolken sich verzogen. Am Himmel stand die Venus und der zunehmende Mond zeichnete eine silberne Spur ins Wasser. Über Lefkas und Paxos wetterleuchtete es.

 

Paxos-Action

Ich hatte den vorigen Eintrag gerade zu Ende geschrieben als es draußen laut wurde. Beim übernächsten Boot rechts von uns hatte der Anker nicht gehalten. Der Wind war inzwischen wieder ziemlich stark geworden und er kam genau im rechten Winkel zu Anker und Heckleinen.

Das Boot flüchtete um den Anker neu auszubringen, womit unser direkter Nachbar voll im Wind stand. Man konnte recht schnell sehen, dass auch der driftete und uns immer näher kam. Schließlich machte es schwupp und er hing in unseren Fendern.

Leider konnte unser Anker den kombinierten Druck von zwei Booten nicht halten und gab auch nach. Ein Einheimischer riet uns, den Platz ganz aufzugeben, bei dem Wind aus der Richtung sei der Platz nicht sicher, wir sollten in Lee hinter der Insel Agios Nikolaos ankern.

Wir flüchteten also und drehten zwei Runden durch den Hafen. Einen halbwegs guten Liegeplatz gab es nicht mehr, der Rat des Einheimischen schien noch am vernünftigsten. Allerdings ist der Hafen nördlich von Nikolaos so schmal, dass wir auf jeden Fall Landleinen nach Nikolaos benötigen würden um nicht in die Fahrrinne zu schwojen.

Sebastian war erst beim 3. Ankerversuch mit der ausgebrachten Kettenlänge und der Haltekraft zufrieden, dafür sprang er dann kurz vor Mitternacht noch ins Wasser, schwamm mit einer Landleine nach Agios Nikolaos und machte uns an einem Baum fest. Die Leine war zunächst auch noch zu kurz und ich musste noch eine weitere Leine anknoten.

Da wir der Baum-Leinen-Konstruktion nicht so ganz trauten, brachten wir dann noch eine weitere Leine zu einem Ring aus, den jemand freundlicherweise an einem Stein befestigt hatte. Dafür benutzten wir dann aber das Dingi.

Um kurz nach Mitternacht war die Aktion beendet. Es hatte die ganze Zeit geschüttet wie aus Kübeln und wir waren total durchnässt.

Gegen ein Uhr früh wurde es wieder laut. Ein weiteres Boot war vom Stadtkai geflüchtet und machte es uns nach. Auch bei ihnen ging der erste Ankerversuch schief, aber als sie den Anker wieder aufholten hing auch noch eine fremde Kette dran. Wenigstens dieses Pech war uns erspart geblieben.

 

Dienstag, 8. Oktober 2013

Fahrt nach Paxos

Heute liefen wir schon um 9:00 Uhr aus, denn wir wollten nach Gaios auf Paxos, das von Preveza aus mehr als 30 Seemeilen entfernt liegt. Auch an diesem Morgen wurde Boot nach Boot aus dem Wasser gehoben und auf den Abstellhof geschleppt.

Wir fuhren unter Motor bis zum äußeren Ende des Preveza-Kanals und zogen dann zusätzlich die Fock hoch. Der Wind stand günstig zum Motorsegeln. Je weiter wir nach Norden kamen um so stärker wurde der Wind. Schließlich steckten wir ein Reff in die Fock, zogen auch das gereffte Groß auf, machten den Motor aus und ließen uns von dem 5er-Wind raumschots nach Paxos jagen. Leider drehte der Wind noch, so dass wir noch zweimal Halsen mussten und nicht mit einem Schlag auskamen.

Leider entsprach auch der Seegang der Windstärke und unsere kleine 32er-Bavaria wurde kräftig durchgeschaukelt. Ich bemerkte eine beginnende Übelkeit und nahm eine Vomex, aber das Ergebnis war nur, dass ich ungeheuer müde wurde und mir selbst beim Stehen fast die Augen zufielen.

Der Hafen von Gaios wird in den meisten Törnführern als chaotisch beschrieben. Aber jetzt in der Nachsaison ist es deutlich ruhiger und jedes Boot hat einen Liegeplatz bekommen. Einige Tavernen und Geschäfte haben auch schon dicht gemacht.

Das Wetter war heute erst bewölkt, dann kam sogar die Sonne raus. Aber nachdem wir festgemacht hatten fing es an zu regnen und es hörte den ganzen Abend nicht mehr auf. Wir hatten drei verschieden Wetterberichte, alle sagten etwas anderes, aber den Regen und den 5er-Wind hatte keiner vorhergesagt.

Wir waren einkaufen und haben dann Pizza gebacken.

 

Montag, 7. Oktober 2013

Ambrakischer Golf

Aufgeweckt wurden wir heute von den Tut-Tut-Tut-Geräuschen, die entstehen, wenn große Fahrzeuge rückwärts fahren. Ein Blick nach draußen zeigte einen großen Rollkran der damit beschäftigt war Boote aus dem Wasser zu heben und auf dem Ship Yard abzustellen.

Neben dem "kleinen" 50-Tonnen-Kran auf dem Foto gab es auch noch einen riesigen 300-Tonnen-Kran, der selbst größte Super-Yachten an Land befördern konnte. Auch nebenan, in der Aktio Marina, gab es einen solchen Kran und die beiden holten den ganzen Morgen über Boote aus dem Wasser. Die Saison schien sich eindeutig dem Ende zuzuneigen.

Im Hafen von Preveza erlebten wir die nächste Überraschung: über Nacht war ein Rahsegler angekommen, die "Sea Cloud". Ein sehr schönes Schiff, einstmals die größte Privatsegeljacht der Welt und leicht größer als unsere 32er Bavaria.

Wir hatten eigentlich vorgehabt weiter nach Norden, nach Paxos, zu segeln, aber der Wind auf der offenen Ionische See war uns heute zu stark. Statt dessen fuhren wir nun nach Osten, in den Ambrakischen Golf. Der Golf bietet wenig Attraktionen und wird von den meisten Seglern ignoriert. Tatsächlich begegneten uns nur zwei andere Boote.

Das Wetter war noch ein wenig schlechter geworden. Nur knapp 20 Grad, trüb, nieselig. Der Wind im Golf war sehr unbeständig. Wir packten die Segel aus, refften, refften aus, refften, packten die Segel ein. Um wenigstens ein Ziel zu haben, beschlossen wir, bis 21 Grad Ost zu fahren und dann umzudrehen. Damit hatten wir den östlichsten Punkt unseres Törns erreicht.

Der Golf bot ansonsten wenig, aber bei dem Wetter würde wohl auch die One-House-Bay trostlos ausgesehen haben. Am auffälligsten waren noch die vielen Fischfarmen an den Ufern. Tja, liebe Fischesser, auch euer Fleisch stammt inzwischen aus der Massentierhaltung.

Auch auf der Rückfahrt blies der Wind recht unbeständig, weshalb wir motorsegelten. Wir steuerten wieder die Cleopatra-Marina an. Ich mochte den morbiden Charme: die Einsamkeit, die leeren Stege, die abgestellten Boote, das trübe Wetter.

Die Marina ist übrigens deshalb nach Cleopatra benannt, weil die wirklich hier war. Während der Seeschlacht von Actium nämlich, zwischen Marcus Antonius und Octavian, die hier stattfand und den römischen Bürgerkrieg entschied.

Nachdem wir in den letzten Tagen nicht mehr einkaufen konnten, gingen uns jetzt langsam die Zutaten aus. Dennoch haben wir uns an diesem Abend "fast zu Tode gefressen".

 

Sonntag, 6. Oktober 2013

Durch die Schwenkbrücke

Die Nacht vor Anker verlief völlig ruhig. Der Wind hatte in der Nacht wieder auf Süd gedreht, so dass die Russen, deren Anker jetzt verkehrt rum lag, beim Ankerlichten leichte Probleme hatten.

Wir segelten nach Norden, das Wetter wurde immer schlechter, trüb, ab und zu Nieselregen, der Wind immer stärker. Schließlich mussten wir wieder das 2. Reff einstecken. Es war nur noch 20 Grad warm.

Wir tuckerten durch den Lefkas-Kanal und legten in Lefkas-Stadt kurz an um eine Pita zu essen.

Nördlich des Hafens von Lefkas(-Stadt) führt eine Schwimm-/Schwenkbrücke über den Kanal von Lefkas und verbindet so die Insel Lefkas mit dem griechischen Festland. Diese Brücke öffnet zu jeder vollen Stunde für den Bootsverkehr. Je nach Verkehrsaufkommen wird entweder nur eine Zugbrücke geöffnet oder die ganze Schwimmbrücke zur Seite geschwenkt.

Wir waren viel zu früh vor der Brücke und verbrachten deshalb eine halbe Stunde damit langsam vor und wieder zurück zu fahren. Einfach auf der Stelle liegen zu bleiben war wegen des starken Windes und der damit verbundenen Abdrift nicht möglich. Die ganze Zeit nieselte es leicht.

Die Brücke öffnete erst 7 Minuten nach der vollen Stunde. Hinter uns kam noch ein riesiger Mehrfamilien-Katamaran, so dass die Brücke komplett geöffnet wurde.

Die nächste Schwierigkeit war dann das nördliche Ende des Lefkas-Kanals. Dort gibt es eine Sandbank, die ihre Lage regelmäßig ändert und die nicht durch Tonnen markiert ist. Wir tasteten uns vorsichtig durch und fuhren dann weiter in Richtung Preveza. Diese Stadt ist auch nur durch einen Kanal zu erreichen, da das Meer dort sehr flach ist. Wir hatten Probleme die Einfahrt zum Kanal zu finden, die im Törnführer angegebenen Koordinaten waren falsch.

Preveza hat einen sehr langen Stadtkai, dummerweise war dort nichts frei, da alle Boote längsseits festgemacht hatten. Auch in der städtischen Marina gab es keinen freien Platz, dort schienen ausschließlich Dauerlieger zu liegen.

Wir gingen deshalb in die Cleopatra-Marina in Aktio, gegenüber von Preveza. Die Marina ist ein wenig am Ende der Welt, es ist wenig drumherum. Hinter der Marina befindet sich ein gigantischer Ship Yard auf dem Hunderte von Booten abgestellt waren. Beim Anlegen half uns ein Deutsch-Grieche der in Ludwigsburg geboren wurde und der bei jeder Gelegenheit Liegestützen und Klimmzüge machte.

Die Wetteraussichten für die nächsten Tage waren widersprüchlich. Wir waren deshalb unentschlossen wie wir in den nächsten Tagen weiter segeln sollten.