Ich hatte den vorigen Eintrag gerade zu Ende geschrieben als es draußen laut wurde. Beim übernächsten Boot rechts von uns hatte der Anker nicht gehalten. Der Wind war inzwischen wieder ziemlich stark geworden und er kam genau im rechten Winkel zu Anker und Heckleinen.
Das Boot flüchtete um den Anker neu auszubringen, womit unser direkter Nachbar voll im Wind stand. Man konnte recht schnell sehen, dass auch der driftete und uns immer näher kam. Schließlich machte es schwupp und er hing in unseren Fendern.
Leider konnte unser Anker den kombinierten Druck von zwei Booten nicht halten und gab auch nach. Ein Einheimischer riet uns, den Platz ganz aufzugeben, bei dem Wind aus der Richtung sei der Platz nicht sicher, wir sollten in Lee hinter der Insel Agios Nikolaos ankern.
Wir flüchteten also und drehten zwei Runden durch den Hafen. Einen halbwegs guten Liegeplatz gab es nicht mehr, der Rat des Einheimischen schien noch am vernünftigsten. Allerdings ist der Hafen nördlich von Nikolaos so schmal, dass wir auf jeden Fall Landleinen nach Nikolaos benötigen würden um nicht in die Fahrrinne zu schwojen.
Sebastian war erst beim 3. Ankerversuch mit der ausgebrachten Kettenlänge und der Haltekraft zufrieden, dafür sprang er dann kurz vor Mitternacht noch ins Wasser, schwamm mit einer Landleine nach Agios Nikolaos und machte uns an einem Baum fest. Die Leine war zunächst auch noch zu kurz und ich musste noch eine weitere Leine anknoten.
Da wir der Baum-Leinen-Konstruktion nicht so ganz trauten, brachten wir dann noch eine weitere Leine zu einem Ring aus, den jemand freundlicherweise an einem Stein befestigt hatte. Dafür benutzten wir dann aber das Dingi.
Um kurz nach Mitternacht war die Aktion beendet. Es hatte die ganze Zeit geschüttet wie aus Kübeln und wir waren total durchnässt.
Gegen ein Uhr früh wurde es wieder laut. Ein weiteres Boot war vom Stadtkai geflüchtet und machte es uns nach. Auch bei ihnen ging der erste Ankerversuch schief, aber als sie den Anker wieder aufholten hing auch noch eine fremde Kette dran. Wenigstens dieses Pech war uns erspart geblieben.
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