Aufgeweckt wurden wir heute von den Tut-Tut-Tut-Geräuschen, die entstehen, wenn große Fahrzeuge rückwärts fahren. Ein Blick nach draußen zeigte einen großen Rollkran der damit beschäftigt war Boote aus dem Wasser zu heben und auf dem Ship Yard abzustellen.
Neben dem "kleinen" 50-Tonnen-Kran auf dem Foto gab es auch noch einen riesigen 300-Tonnen-Kran, der selbst größte Super-Yachten an Land befördern konnte. Auch nebenan, in der Aktio Marina, gab es einen solchen Kran und die beiden holten den ganzen Morgen über Boote aus dem Wasser. Die Saison schien sich eindeutig dem Ende zuzuneigen.
Im Hafen von Preveza erlebten wir die nächste Überraschung: über Nacht war ein Rahsegler angekommen, die "Sea Cloud". Ein sehr schönes Schiff, einstmals die größte Privatsegeljacht der Welt und leicht größer als unsere 32er Bavaria.
Wir hatten eigentlich vorgehabt weiter nach Norden, nach Paxos, zu segeln, aber der Wind auf der offenen Ionische See war uns heute zu stark. Statt dessen fuhren wir nun nach Osten, in den Ambrakischen Golf. Der Golf bietet wenig Attraktionen und wird von den meisten Seglern ignoriert. Tatsächlich begegneten uns nur zwei andere Boote.
Das Wetter war noch ein wenig schlechter geworden. Nur knapp 20 Grad, trüb, nieselig. Der Wind im Golf war sehr unbeständig. Wir packten die Segel aus, refften, refften aus, refften, packten die Segel ein. Um wenigstens ein Ziel zu haben, beschlossen wir, bis 21 Grad Ost zu fahren und dann umzudrehen. Damit hatten wir den östlichsten Punkt unseres Törns erreicht.
Der Golf bot ansonsten wenig, aber bei dem Wetter würde wohl auch die One-House-Bay trostlos ausgesehen haben. Am auffälligsten waren noch die vielen Fischfarmen an den Ufern. Tja, liebe Fischesser, auch euer Fleisch stammt inzwischen aus der Massentierhaltung.
Auch auf der Rückfahrt blies der Wind recht unbeständig, weshalb wir motorsegelten. Wir steuerten wieder die Cleopatra-Marina an. Ich mochte den morbiden Charme: die Einsamkeit, die leeren Stege, die abgestellten Boote, das trübe Wetter.
Die Marina ist übrigens deshalb nach Cleopatra benannt, weil die wirklich hier war. Während der Seeschlacht von Actium nämlich, zwischen Marcus Antonius und Octavian, die hier stattfand und den römischen Bürgerkrieg entschied.
Nachdem wir in den letzten Tagen nicht mehr einkaufen konnten, gingen uns jetzt langsam die Zutaten aus. Dennoch haben wir uns an diesem Abend "fast zu Tode gefressen".




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