Der Donnerstag war ein Tag, über den man bis 17:30 Uhr nicht viel hätte berichten können. Zunächst chillig bis zum Extrem, aber dann wurde es doch noch ein wenig hektisch.
Wir verließen Sívota erst gegen Viertel vor Elf, setzten gleich vor dem Hafen die Segel und umrundeten Meganisi südlich. Unser Ziel war Vathi auf Meganisi. Der Wind blies aus Süd mit schwachen 2-3 Beaufort und so verlief der Trip extrem langsam und unaufgeregt. Wir segelten sogar mit Bimini, da wir nicht in der Sonne braten wollten. Von der Ionian Regatta, die an diesem Tag stattfinden sollte, sahen wir nichts.
Gegen 17:30 waren wir kurz vor Vathi. Im Norden hatte sich der Himmel zunehmend verdunkelt, an der Festlandküste zuckten Blitze und es war ferner Donner zu hören. Die dunkle Front schien sich zu vergrößern, aber über uns war der Himmel noch blau und so nahmen wir gemütlich die Segel herunter und schauten uns in Vathi in aller Ruhe die Liegemöglichkeiten an. Es gab vor der Stadt eine Taverne "Karnayio" mit Steg und Murings und einigen freien Plätzen, eine Marina, die aber schon sehr voll aussah und den Stadthafen, wo es auch noch freie Plätze gab, allerdings nur solche, die ziemlich ungeschützt lagen und wo man römisch-katholisch mit Buganker anlegen musste. Wir entschieden uns für die Taverne mit den Murings. Als wir allerdings wieder dort ankamen, lief gerade eine dieser sch**** Flotillen ein, von denen es hier so wimmelt.
Während wir warteten sprang plötzlich der Wind auf Nord und erreichte 5-6 Beaufort. Der Himmel war sofort dunkel und ein Wolkenbruch ging über uns nieder. Jetzt wurden wir doch ein wenig nervös und wollten schnell anlegen. Das letzte Flotillenboot trieb gerade im Wind ab und so setzten wir auf einen der freien Plätze an als ein Mann, vermutlich der Wirt der Taverne, deutlich Zeichen machte, dass wir hier nicht anlegen könnten und verschwinden sollten. Wahrscheinlich erwartete die Flotille noch weitere Boote.
So wie der Wind nun stand, boten die freien Plätze im Stadthafen überhaupt keinen Schutz und deshalb düsten wir zurück zur Marina. Ein Schild am Eingang forderte dazu auf, auf Kanal 72 Kontakt aufzunehmen. Allerdings meldete sich da niemand. Auch auf Kanal 74, der im Törnführer stand, war nichts los. Es regnete und stürmte noch immer und so nahmen wir einfach Anlauf auf einen freien Platz. Plötzlich wurden wir auf Funk (Kanal 74...) angerufen und zurückgepfiffen. Das sei der Platz eines Dauerliegers und man bot uns den letzten freien Platz an: römisch-katholisch mit Buganker, mit dem Bug genau im Wind, der Anker würde also das Boot halten müssen. Die Marina war durch eine Mole nach Norden geschützt, Wind und See waren deutlich ruhiger als im Stadthafen, unter den gegebenen Umständen war das unsere beste Option und so nahmen wir an.
Das Ankermanöver in Wind und Regen lief zunächst wie nach Lehrbuch, doch plötzlich stockte die Winsch. Auch als ich die Spillbremse von Hand öffnete lief die Kette nicht weiter. Da keine Kette nachkam stoppten wir und hingen am Anker, wie ein Fisch an der Angel. Schließlich fand ich den Fehler: die Kette hatte sich tatsächlich vertörnt und blockierte vor dem Spill. Ich bekam sie wieder klar und wir konnten das Manöver zu Ende fahren, hatten aber keine Ahnung, wie viel Kette rausgegangen war.
Kurz nachdem wir unsere Heckleinen festgemacht hatten, hörte der Regen auf, die Wolken verzogen sich und 10 Minuten später hatten wir wieder einen strahlendblauen Himmel. Na super.
Beim Kochen dann das nächste Problem: das Gas war alle. Wir hatten eine Ersatzflasche an Bord und wechselten die Flasche aus, allerdings brannten bei großer Flamme danach am Brenner nur noch die Hälfte der Düsen, bei den anderen strömte das Gas unverbrannt aus. Wir ließen den Herd eine Weile auf kleiner Flamme brennen und schließlich tat wieder alles. Es gab übrigens Pasta mit einer Käse-Sahne-Sauce.
Im Verlaufe des Abends war der Wind wieder aufgefrischt und blies schließlich wieder mit 6 Windstärken aus Norden. Wir gingen mit einem etwas mulmigen Gefühl ins Bett, da wir unserem Anker nicht so recht trauten.



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